Liebe Mitglieder des Tennis-Verbandes Berlin-Brandenburg, liebe Freunde des Tennissports, mit großem Respekt habe ich die Aktivitäten zur Eröffnung der Tennissaison 2020 verfolgt und bedanke mich bei allen Vereinsvorständen unserer Region für diese großartige Leistung.

Keinesfalls selbstverständlich ist für mich, wie die vielen Ehrenamtlichen beeindruckend engagiert das Tennisspiel auf ihren Anlagen nach der Zwangsschließung wieder ermöglicht haben, um die umfangreichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen in ihren Vereinen umzusetzen. Dabei widerstanden sie offenbar standhaft den Sirenenklängen ungeduldiger Tennisspieler, die die Wochen nach der Schließung der Sportstätten bereits als Entzugsmaßnahme beklagten. Aber auch den zahlreichen Zweiflern, die eine Öffnung für zu früh und verantwortungslos erklärten, wurde verständnisvoll begegnet. Gewissenhaft haben sich neben den Vereinsvorständen auch Trainer, Platzwarte, Vereinsmitglieder, Mannschaftsführer bereit erklärt, ihre Vereine in dieser ungewöhnlichen Zeit zu unterstützen. Auch hier geht mein Dank an alle Mitwirkenden.

Allen Funktionsträgern in den Vereinen, im TVBB, in den Landessportbünden, dem DTB und den Stellen in den Landesregierungen ist bewusst, dass nach wie vor ein schmaler Grat durch die Pandemiebewältigung führt. Doch Bergwanderer haben erfahren, dass auch schmale Grate verantwortungsbewusst begangen werden können, wenn nicht ständig in Abgründe geblickt oder zu zögerlich der nächste Schritt gesetzt wird. Mit sicherem Tritt sollte es daher gelingen, dass der Tennissport auf dem Platz gefahrlos wie zuvor betrieben werden kann. Haben also die Spieler – ob im Einzel oder Doppel – den Platz betreten, bleibt es gleich ob sie dort im Rahmen eines Trainings, eines freien Spiels oder eben eines Wettkampfes mit Mannschafts-, LK-, Ranglistenwertung den Ball bewegen. Sämtliche Abstands- und Hygieneregeln sind hierfür von den Spielern inzwischen eingeübt worden und werden meiner Beobachtung nach beachtet.

Es ist daher erfreulich, dass im TVBB der Mannschaftswettkampf in Form der Verbandsspiele in fast vollem Umfang aufgegriffen wird. Nach der ersten Ankündigung im März die Vereinsmeldungen zu überdenken, wurden zunächst 20 Meldungen storniert, mit der zweiten Ankündigung im Mai haben 230 der ca. 1.800 Teams ihre Teilnahme zurückgezogen. Der TVBB freut sich daher, dass es sich gelohnt hat, das Tennisspiel zu ermöglichen und nicht zu verhindern. Mit 87% der anfänglichen Teamanzahl, reiht sich der TVBB in die Bemühungen aller DTB-Landesverbände ein, den Mannschaftswettkampf soweit wie möglich in dieser Ausnahmesaison durchzuführen. Aufmerksame Verfolger unserer Veröffentlichungen haben sicherlich entdeckt, dass wir unsere Wettspielordnung dieser besonderen Situation angepasst haben und mit dem veröffentlichten Wettkampfkonzept die Umfeldbedingungen sorgfältig und umfassend angegangen sind.

Vielleicht bietet es sich an dieser Stelle an, die Konsequenzen eines reduzierten Spielbetriebs zu verdeutlichen. Insbesondere der wirtschaftliche Schaden einer zögerlichen Normalisierung wäre beträchtlich und in deren Folge die Schieflage des Vereinskonstrukts als Gemeinschaft. So schöpft die Vereinsgastronomie aus der Verbandsspielsaison einen guten Teil ihrer jährlichen Einnahmen. Auch wenn das traditionelle Mannschaftsessen zunächst in Berlin nicht zugelassen ist, sind andere Formen der Bewirtung bei kreativen Gastronomen kein Hindernis und können die Bindung der Mitglieder an den Verein stabilisieren. Der Tennissport-bezogene Umsatz der Sportartikelindustrie, ist in den Hauptabsatzmonaten März, April, Mai praktisch zum Erliegen gekommen. Unternehmen, deren Produkte nicht als systemrelevant eingestuft werden, befinden sich unversehens und unverschuldet vor dramatischen Konsequenzen. Unter diesem Blickwinkel sollte es uns wert sein, Befindlichkeiten wie nicht duschen zu können oder nicht im selben Auto zu den Teamspielen fahren zu können oder das Mannschaftsessen nicht wie gewohnt in gemütlicher, großer Runde im Clubhaus einnehmen zu können, zurückzustellen. Für mich ist es eine Frage der Solidarität, an die zahllosen unbekannten Helfer unserer Sportart zu denken und Kollateralschäden aus vermeintlicher Unbequemlichkeit zu vermeiden.

Da die Hauptsorge der Epidemiologen in der Überlastung der Intensivmedizin in den Krankenhäusern angesehen wurde, dürfte mit den neu gewonnenen Erkenntnissen, Schutzmaterialien und Verhaltensweisen eine dramatische Verschlechterung unwahrscheinlicher werden. Unter Beachtung der vorgenannten Schutzregeln und der zu erwartenden weiteren Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen halten wir die Durchführung der Verbandsspiele ab dem 10. Juni 2020 für vertretbar. Sollte die Infektionsrate in unserem Verbandsgebiet die von der Bundesregierung und den Ländern vereinbarten 50 Neuinfektionen pro Tag und 100.000 Einwohner dauerhaft übersteigen, wird der TVBB geeignete einschränkende Maßnahmen ergreifen.

Mit den besten Grüßen für eine Corona-geschützte Saison, die uns mit Abstand in Erinnerung bleiben wird

Ihr

Dr. Klaus-Peter Walter,

TVBB-Präsident